Thomas Mentsches

Es sind drei Jahre vergangen seit Thomas Mentsches & Band ihr Erstlingswerk Most Private And Confidential veröffentlicht haben. Nun erscheint ihr zweites Album Hiding In The Witchland, in welchem Volker Arndt, Thomas Mentsches und Ali Ottmann ihre musikalische Vielseitigkeit eindrucksvoll unter Beweis stellen. Nachdem die Prämisse der Band acht Jahre lang lautete, ihrem Publikum ihre Musik zu dritt möglichst akustisch zu präsentieren, kam die Band jetzt dem Wunsch von Songwriter Thomas Mentsches nach, dessen  Songs rockiger zu arrangieren und wenn möglich auch mal mit Drums und E-Gitarre auf die Bühne zu gehen. In Wolfgang Brammertz von den Fox Music Studios in Telgte fand die Band einen Koproduzenten, der schnell erkennen ließ, dass er von den Songs der Band sehr angetan war. So holte er hin und wieder eine seiner alten Edelgitarren aus dem Koffer um das eine oder andere Solo einzuspielen. Das Ergebnis kann sich absolut hören lassen. "Hiding In The Witchland" ist eine Reise durch die 60er, 70er und 80er Jahre mit Eigenkompositionen, die den Zuhörer an Stars wie Tom Petty, CCR, CSN&Young oder Pink Floyd erinnern, ohne diese zu kopieren. Dabei klingt das Album nicht nur durch die sehr persönlichen Texte von Thomas Mentsches zeitgemäß. "Uns ist sehr wichtig authentisch zu bleiben", stellen TM & Band klar.

Spätestens seit Thomas Mentsches & Band sehr erfolgreich den Support von Barclay James Harvest feat. Les Holroyd im Hockeypark in Mönchengladbach übernahmen, haben sie "Blut geleckt": "Auch wenn ich in diesem Jahr ein halbes Jahrhundert alt geworden bin...".
"There is still Rock’n’Roll In My Veins" , ruft Mentsches seinen Fans zu.

Thomas MentschesAls Mentsches mit 18 Jahren die ersten Schallplatten von Bob Dylan hörte, beeinflusste das seinen Lebensweg auf eine Art und Weise, die damals noch nicht absehbar war. Er kaufte sich eine Gitarre und begann, Lieder von Dylan nachzuspielen. Bald aber wurde ihm dies zu eintönig und er begann, eigene Songs zu komponieren. Nach Abitur und Zivildienst studierte er Germanistik und Anglistik, um sich möglichst perfekt in diesen beiden Sprachen ausdrücken zu können. Doch um aussagekräftige Songs schreiben zu können, muss man besondere Dinge erleben. So schmiss er nach acht Semestern sein Studium und meldete sich zu einem Work-camp in den Vereinigten Staaten, wo er in einem japanisch-buddhistischem Kloster mit jungen Menschen verschiedener Nationalitäten eine "Peace Pagoda" errichtete.

Die Mischung aus Arbeit, Diskussion und Meditation beeinflusste ihn derart, dass er in der Zeit zwischen 1984 und 1987 immer wieder dorthin zurückkehrte und dort insgesamt mehr als ein Jahr zubrachte. Immer wieder nahm er mit den buddhistischen Mönchen an Aktionen der amerikanischen Friedensbewegung teil. Mal demonstrierte er mit ihnen gegen die Feierlichkeiten zum Stapellauf atomar-bestückter U-Boote, mal zum Gedenken der Opfer von Hiroshima und Nagasaki vor den Toren des Stützpunktes der amerikanischen Luftwaffe, von wo aus damals die Enola Gay startete. Beim G-7 Gipfel 1987 demonstrierte er friedlich mit einer Handtrommel und dem Friedenschant "Na-Mu-Myo-Ho-Ren-Ge-Kyo" vor dem Waldorf Astoria in New York und wurde sofort von beiden Seiten von Beamten des CIA's eskortiert. Er wurde mit den Mönchen zu Feierlichkeiten der "Native Americans" (wie sich die nordamerikanischen Indianer bezeichnen) eingeladen, an denen der "weiße Mann" ansonsten nicht teilnehmen durfte. "Slow Turtle", der oberste Medizinmann der Wampanoag (denen ursprünglich weite Teile der Ostküste gehörten), lud ihn zu einem Kaffee zu MCDonalds ein, er lernte die faszinierende indianische Songwriterin Buffy Sainte-Marie kennen, die in ihren Liedern schonungslos die Machenschaften amerikanischer Politik beklagt und vom "Stolen land" berichtet. Er besuchte ein Ashram der Sikhs, ein Trappistenkloster und nahm an jüdischen Feierlichkeiten teil.

Aber dies alles befriedigte ihn nicht. Er wollte in seinen Liedern vom Schicksal des kleinen Mannes berichten, wie eines seiner Vorbilder, Woody Guthrie, dies einst getan hatte. So ging er nach New York City und verkaufte dort nachts auf den Strassen in Spanisch Harlem und im "Village" Weihnachtsbäume. Bei -15 Grad Celsius fror er mit den Obdachlosen, Vietnamveteranen und Crackdealern und lauschte mit grossem Interesse deren Geschichten. Mal spendierte er ihnen einen Kognac, mal gab er ihnen 5 Dollar, damit sie sich in einem der Pornokinos am Times Square aufwärmen konnten. Sie versorgten ihn schon nach einigen Tagen mit "geborgtem" Frühstück und akzeptierten ihn als einen von ihnen.

Mentsches schloss sich dem "Marcha por la Paz" durch Mittelamerika an, und geriet mit seinen beiden amerikanischen Freunden zwischen die Fronten des Krieges in El Salvador. "Ich weiss nicht, wie man diese tägliche Bedrohung seines Lebens über Jahre ertragen kann", lautet eine Zeile von ihm. Die "Mütter der Verschwundenen" zeigten ihm mehrere Fotoalben mit den entstellten Körpern getöteter Zivilisten, er protestierte in den deutschen und amerikanischen Botschaften, die von Morden gegen die Zivilbevölkerung jedoch "nie" etwas gehört hatten.

Während eines Friedensmarsches drückten zwei Mütter der Verschwundenen ihm ein Poster in die Hand, auf dem folgendes geschrieben stand: "Continuamos en la busqueda de nuestres seres queridos" (Wir werden die Suche nach denen, die wir lieben, fortsetzen)! Den gleichnamigen Song bezeichnet Mentsches als den wichtigsten, den er jemals geschrieben hat und er hat ihn auf seinen beiden CD's in verschiedenen Versionen veröffentlicht. Thomas Mentsches gab Essen für die Obdachlosen in Los Angeles aus und sammelte Kleidung und Lebensmittel für Menschen in den Slums von Tijuana, Mexiko. "Es kam eine Mutter mit ihrem Säugling auf mich zu und bat mich um Trockenmilch für ihr Baby. Ich durfte ihr jedoch nichts geben, da die mitgebrachte Lieferung für eine andere "Farfella" (Dorfgemeinschaft) war und ich mich nicht in deren Organisation einmischen konnte. Eine der furchtbarsten Erfahrungen, die ich gemacht habe".

Ende der 80er Jahre veranstaltete Mentsches Benefizkonzerte für die Menschen in El Salvador in seiner Heimatstadt Mönchengladbach. 1996 erschien seine erste CD Songs From Abroad, ein wunderschön anzuhörendes Album, nur mir der akustischen Gitarre eingespielt, wo er viele der oben beschrieben Erfahrungen in seinen Songs beschreibt. Seit sechs Jahren arbeitet Mentsches mit erwachsenen autistischen Menschen und sieht sich selbst als Vermittler zwischen verschiedenen Kulturen, denn die besondere Art und Weise, wie seine Klienten die Welt erleben und die damit verbundenen Ängste und Schwierigkeiten sowie deren Bewältigung stellen eine Herausforderung der besonderen Art an ihn als Betreuer. "Diese gänzlich andere Perspektive der Dinge, hat mich in vielen Dingen des alltäglichen Lebens zum Umdenken gezwungen".

Nach oben © Thomas Mentsches 2011